Das ist ein sieben Jahre alter Einzelfall bei dem es um einen Gebrauchtwagenkauf geht und bei dem das OLG die Rechtsauffassung des LG teilweise wieder kassiert hat.
Dieser Einzelfall ändert nichts daran, dass ein Neuwagenkauf über das Internet/Fernkommunikationsmittel in der Regel ein Fernabsatzgeschäft ist und ein Widerrufsrecht besteht.
Hier ein paar aktuellere Urteile:
1. OLG Nürnberg, Urteil vom 23.08.2022 – 3 U 81/22
Fernabsatz bejaht – trotz Abholung, fehlenden Online-Kaufbuttons und erneuter Unterschrift beim Händler.
2. OLG Celle, Urteil vom 03.06.2020 – 7 U 1903/19
Fernabsatz bejaht – obwohl nach Darstellung des Händlers weniger als 1 % seiner Verträge ohne vorherigen Filialbesuch zustande kamen.
3. OLG Brandenburg, Urteil – 13 U 13/18
Fernabsatz bejaht – bei einem per Fax gekauften und anschließend persönlich abgeholten Wohnmobil.
Nach § 312c kommt es darauf an, dass Unternehmer und Verbraucher für Vertragsverhandlungen und Vertragsschluss ausschließlich Fernkommunikationsmittel verwenden. Eine Voraussetzung „Die Ware muss versendet werden“ enthält die Vorschrift nicht.
Der BGH, Urteil vom 19. November 2020 – IX ZR 133/19, Randnummer 12, formuliert dazu eine widerlegliche Vermutung: Sind Vertragsverhandlungen und Vertragsschluss ausschließlich über Fernkommunikationsmittel erfolgt, wird vermutet, dass dies innerhalb eines organisierten Fernabsatzsystems geschehen ist. Gegenteiliges müsste der Händler beweisen.