Beiträge von kaygee

    Langzeit(?)-Erfahrung

    über nunmehr drei Jahre (02/23) und fast 80.000 km gesammelt.

    19,3 kWh/100km bei "viel Langstreckenanteil" dürften für Dich DeLorca ein Fabelwert sein, aber daß der alte MG4 Lux dann noch etwas sparsamer läuft als der Tesla, finde ich frei nach Mr. Spock "faszinierend"

    Ist natürlich nur eine persönliche Erfahrung - und somit nicht für jeden und jedes Fahrprofil zutreffend.

    Zur Einordnung noch: beide Autos haben ähnlich viele Kilometer abgekriegt (jeweils gute 38.000 aktuell). Der MG ca. 40% und der Tesla 62% Langstrecke (DC Laden). Der Tesla hat mehr ganz lange Strecken gemacht (Bretagne, Südfrankreich, Norddeutschland), der MG hauptsächlich die 540 km zur Oma und die 650 km zum Sohn. Mit dem MG fährt meine Frau zweimal die Woche ins Büro (50 km einfach), also kriegt der einige Mittelstrecke Stadt/Landstrasse. Der Tesla bekommt etliche ganz kurze Strecken ab (3-5 km), die schlagen im Winter enorm zu Buche, da er keine Wärmepumpe fürs Heizen hat, sondern PTC. Da sieht man dann schon kurzzeitig Momentanverbräuche von knapp 200 kWh/100 km. Nein, kein Schreibfehler. Ausserdem ist das Auto sieben Jahre alt (die neueren Modelle, insbesondere die RWD sind deutlich sparsamer), AWD mit angeblich 498 PS und steht auf 19" Felgen, der MG auf 17".

    Alleine dies, um zu sagen, daß die Vergleichbarkeit gar nicht so einfach ist - wir fahren halt nicht mit zwei Autos simultan.

    Wir nutzen (nach einer relativ kurzen Angst- und Eingewöhnungsphase) die Fahrzeuge so, wie wir das auch früher mit den Verbrennern gemacht haben, also mit allem was an Komfort für uns angenehm ist - ohne dabei besonders auf den Verbrauch zu schauen. Was natürlich bei Solaranlage, Wallbox und kostenlosem Laden beim AG für meine Frau ziemlich egal ist - da halten wir die Autos auch auf 20-80% um die Akkus zu schonen.

    Auf den langen Strecken haben wir auch anfangs vorsichtig und früh geladen, jetzt planen wir vor mit ABRP und der Einstellung bei 5% zu laden (und laden natürlich daheim kurz vor Abfahrt auf 100%). Dann suchen wir Ladestationen aus, die auch entsprechende Infrastruktur haben (meine Frau mag keine Fast Food Ketten) und auch noch eine oder zwei VOR der geplanten. So kann man, bei höherem Verbrauch als geplant, ausweichen. Kann auch sein, dass noch 10 oder 15% drin sind, wenn man am geplanten Ladepunkt ist.

    Übrigens hat ABRP jetzt einen Vergleichsrechner für E-Autos, kein Account nötig, einfach bis zu drei Fahrzeuge auswählen und für eine selbst gewählte Strecke vergleichen. Da sieht man auch ziemlich genau, wie ABRP arbeitet: meist ist die optimale Ladung ca. 10-70% und es wird davon rückwärts gerechnet - was sich dann oft in einer ersten Ladung von z.B. 27-42% niederschlägt, was ziemlicher Unsinn wäre. Für diesen Vergleich jedoch ganz interessant, sucht euch mal eine ordentlich lange Strecke - also über 1000 km - aus und vergleicht mal... Ich empfehle Cadillac Escalade IQ, da hat man ein ordentliches Fahrzeug mit knackiger Reichweite...

    Ok, das erklärt manches: wir planen eher mit fünf Prozent zu laden (klappt natürlich nicht immer, können auch ein paar mehr Prozent sein). Laden bis 80 dauert kaum länger als 20-80, sind aber 15% mehr drin. Untenrum lädt der Akku am schnellsten, das sehen wir extrem beim Tesla: bis 30% lädt der mit 250 kW, dann geht’s runter. Wenn ich damit schnell fahren will, lade ich bis 65%, dann ist die Ladeleistung runter auf 100 kW. 5-65 dauern knapp zehn Minuten, bei 150-180 km/h sind es dann wieder rund 150 km.

    Nur: die Durchschnittsgeschwindigkeit ist - zumindest auf den Autobahnen, die wir benutzen - kaum viel höher als bei 120-130. Baustellen, Beschränkungen und Verkehr bremsen stark. Die höchsten Schnitte auf Strecken über 500 km haben wir in Frankreich erreicht, Tempomat 135/115 je nach Limit, Durchschnitt 120-125 km/h mit Maximalreichweite und Superverbrauch. Natürlich auf relativ leeren Autobahnen, wenn man im Berufsverkehr von Großstädten landet, ist es Essig mit Durchschnitt. Ach ja, und mit Mautpiepser, der spart viele Verzögerungen.

    Schon mal die Verbräuche anderer E-Autos bei hohem Tempo angesehen? Z.B. Tesla Model 3 um die 25 kWh bei Tempo 160.

    So etwa stimmt das, beim M3 AWD und P. Beim Standardmodell etwas weniger, so ca. 22.

    Aber DeLorca sprach ohnehin von 120 km/h.

    Und selbst wenn ich meinen siebenjährigen Oldtimer (AWD mit Boost, nominell 498 PS, SoH ca 85%) bei 150-180 halte, komme ich noch auf rund 200 km - wenn man mal so lange schnell fahren kann. Also 160 km bei 120 km/h sind schon wenig - oder fährst du schon mit 20% an den Lader?

    Wer häufig Autobahn fährt oder fahren muss, sollte sich keinen MG4 kaufen. Selbst bei Tempomat 120 muss ich alle 160km laden.

    Das ist dann aber beim XP deutlich schlechter als beim Lux. Bei gutem bis mäßigem Wetter schafft unserer bei ebenfalls Tempomat 130 und Durchschnitt 100 auf unserer „Stammstrecke“ die 298 km bis zum ersten Ladestop (100% bei Start), im besten Fall bisher mit 22%, im schlechtesten 3% Rest. Nur bei echtem Sauwetter mussten wir bisher früher raus. Die nächsten Etappen (ab 80%) kommen wir rund 220-250 km weit.

    Im Gesamtverbrauch liegen wir mit dem 22er Lux bei 188 Wh/km und mit dem 19er Tesla bei 193. Beide kriegen viel Langstrecke ab mit gerne 130+. Inklusive Ladeverlusten kommen wir nach drei Jahren auf rund 7,20 € auf 100 km, da wir viel Solar-Laden - das senkt die Kosten schon deutlich. DC Laden ist halt meist relativ teuer, auf Langstrecke kommen wir auf ungefähr 10€/100km.

    Nachdem wir jetzt seit drei Jahren mit zwei E-Autos Erfahrungen haben, kann ich dich beruhigen. Ja, die Reichweitenanzeige (und auch die reale Reichweite) schwanken je nach Fahrweise, Witterung und anderen Faktoren stark. Ist eben nur eine Prognose des Batterie Management Systems (BMS) und gerade das Wetter ist ein großer Einflussfaktor. Bei Gegenwind und Regen steigt der Verbrauch stark, ebenso mit höherer Geschwindigkeit.

    Eine realistische Einschätzung erschliesst sich eher durch Beobachtung des Prozent Werts der Ladung und des Verbrauchs, die Kilometerangaben ignorieren wir längst bei beiden Autos.

    Es gibt hier eine Anleitung für einen DIY SoH Test im Forum (SoH Selbsttest), diese Methode ist ganz gut für einen Überblick (SoH Übersicht). Mit einem (guten) OBD2 Adapter und Car Scanner kann man auch direkt den SoH auslesen - zumindest was das BMS anzeigt. Empfehlen kann ich den VGate vLinker MC+, nicht ganz billig, aber gut und schnell.

    Hier ein Video von einen Model 3 SR von 2019 mit 610.000 km. Zeigt noch 242 km an von 386 neu, also rund 63% SoH. Bei 110 km/h haben die noch 222 km rausgekitzelt…

    Das Auto hat einen NCA Akku, keinen LFP.

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