MG4 Xpower am Nürburgring - ein Erfahrungsbericht

  • Hallo zusammen,

    letztes Wochenende stand für mich mal wieder ein Besuch am Nürburgring an. Da mein Auto, was ich eigentlich für so etwas verwende, technische Wehwehchen hatte und ich neugierig war, wie sich der MG schlägt, ging es kurzerhand damit an den Ring.


    Gefahren wurde während der Touristenfahrten. Mein MG4 ist bis auf die 19" Motec Ultralight Evo in 19" mit 235er Falken FK520 Reifen serienmäßig.


    Die Zusammenfassung vorweg: Der MG schlägt sich besser als erwartet. Das Chassis und das Fahrwerkssetup haben Potential. Grundsätzlich bekommt man das Auto durchaus zum rotieren - die Kritik des notorischen Untersteuerns aus manchen Tests kann ich nicht teilen.


    Am Samstag Abend durfte der MG einen Turn (15min) auf der GP-Strecke in der Sprintvariante absolvieren. Die GP Strecke hat einen unheimlich hohen Energiebedarf - ich habe 40% der Kapazität in dieser Zeit vernichtet. In der 3. Runde wurde schon die Leistung etwas zurückgenommen. Ob es am niedrigen SoC oder an der Batteriethermik lag, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Fahrwerkstechnisch ist der MG für eine GP-Strecke natürlich viel zu weich, aber er lässt sich sicher und für das Kampfgewicht auch zügig um die Kurven bewegen.


    Am Tag drauf ging es dann auf die legendäre Nordschleife. Zunächst bin ich 2 Runden am Stück gefahren, danach ging es wieder an die Ladesäule. Die erste Runde hat der MG ohne jegliche Degradation geschafft, in der 2. Runde zeigte sich leichte Degradation vom Kesselchen bis zur hohen Acht. in den folgenden Bergab-Teilstücken stand aber wieder volle Leistung zur Verfügung. Danach ging es an den DC-Lader und in Runde 3 wieder auf die Strecke. Hier stelle sich dann wieder erst leichte Degradation im Bergauf-Abschnitt ein, nach der Mutkurve standen sogar nur 40% zur Verfügung. Das war dann schon etwas frustrierend, aber auch irgendwie erwartbar. Ich habe leider erst nach der Runde prüfen können, wie warm die Batterie ist - nach der Runde waren es 42°C laut CarScanner. Ich vermute, dass die Degradation bei 45°C einsetzt, habe aber kein Logging hierfür.

    Danach habe ich dem Auto und mir wieder eine kleine Pause gegönnt bevor es in Runde 4 ging. Hier bin ich mit ca 32°C Batterietemperatur gestartet und hatte wieder das gleiche Verhalten wie in Runde 2.


    Weiterhin habe ich mal das Verhalten vom ESP/ESC/"Torque Vectoring" untersucht. Technisch funktioniert dies über kleine selektive Bremseingriffe. Ich bin die GP Strecke und die ersten 3 Runden ohne ESP gefahren. Damit ist auch das Torque Vectoring weg. Fairerweise muss ich sagen, dass man das Auto mit ESP härter fahren kann und das System einen ziemlich schön in die Kurve rein zieht. Abgestimmt ist es also gut! Die Übersteuertendenz wird dem Auto aber etwas genommen, was mir persönlich weniger Spaß macht. Die Quittung habe ich allerdings dann beim Anbremsen auf Breitscheid (ca. die Hälfte der Runde) bekommen: Im Rückspiegel gabs ne fette Wolke Bremsbelag. Mit ESP aus hatte ich hingegen keine Auffälligkeiten auf der Bremse, nach der Runde mit ESP waren alle 4 Scheiben blau. Dies deckt sich mit dem Verhalten sämtlicher anderen Fahrzeuge, die solche Systeme haben.


    Deshalb gilt auch für den MG4: Wenn Rennstecke, dann ESP aus - außer man will die Bremse möglichst schnell vernichten.


    Zum Fahrwerk auf der Nordschleife: Es gibt ein paar Stellen (z.B. eine Bodenwelle bei Pflanzgarten I), bei denen man merkt, dass die Hinterachse deutlich unterdämpft ist. Man merkt, dass die Dämpfer nicht mitkommen und das Heck sich schwammig anfühlt. Das Auto war aber zu jedem Zeitpunkt gut kontrollierbar und vorhersehbar. Auf der Straße habe ich das Gefühl auch schon immer ein wenig gehabt, allerdings nicht so extrem. Da fährt man ja auch keine 160+ kmh. Es ist also kein Verschleißthema.

    Bei der Lenkung muss ich den Testern aber zustimmen: Sie ist einfach zu gefühllos für ein Auto mit (leicht) sportlichem Anspruch. Der Grip an der Vorderachse ist übers Lenkrad kaum erspürbar. Weiterer Kritikpunkt: Die Sitze halten einen bei den starken G-Kräften auf der Rennstrecke nicht sonderlich gut in Position. Das liegt aus meiner Sicht aber an zu weichen Seitenwangen. Da würde mich jetzt schon interessieren, ob dies durch das andere Sitzdesign beim 26er Xpower schon gelöst ist.


    Mir ist natürlich bewusst, dass der MG kein Rennwagen und kein Tracktool ist. Deswegen ist mein Fazit: Das Auto hat sich gut geschlagen für das was es ist! Wenn man damit mal auf die Rennstrecke schnuppern gehen will, kann man das mit dem Xpower durchaus tun. Trackdays würde ich damit aber nicht fahren wollen, alleine wegen dem Batteriedegradationsthema. Da kommt man einfach nicht auf seine Kosten.


    Wer noch Bilder von meinem Ausflug sehen will - hier gibts den Link zu Racetracker von meiner Fahrzeug-ID:


    #3286772800 - Fahrzeug Galerie - racetracker.de

    Meine Flotte - Elektro: MG4 Xpower in Hunter Green (Daily driver) - Verbrenner: Einige Nissan Primera P11, Daihatsu Copen, Nissan 200SX S13


    Instagram: churchi42

  • churchi

    Hat den Titel des Themas von „MG4 Xpower auf der am Nürburgring - ein Erfahrungsbericht“ zu „MG4 Xpower am Nürburgring - ein Erfahrungsbericht“ geändert.
  • Ich habe leider erst nach der Runde prüfen können, wie warm die Batterie ist - nach der Runde waren es 42°C laut CarScanner. Ich vermute, dass die Degradation bei 45°C einsetzt, habe aber kein Logging hierfür.

    Schade, denn der Carscanner kann schon interessante Logs aufzeichnen ;)

    Z.B. die wichtigsten Akkudaten zu elektrischer und thermischer Last einschl. ein paar Rand-Daten:

    Screenshot_20260711_112426_Car Scanner.jpg


    Zwar werden die Daten in dieser Zusammenstellung nur ca. alle 4-5 sec aktualisiert ?( aber zur groben Einschätzung, unter welchen Bedingungen die max. Leistung reduziert wird, dürfte es trotzdem reichen.

    Gruß Ulf


    MG4 XPower MY23 in Brighton Blue, gebaut Juli 23, 4-Jahres-Leasing seit Nov.23, R46 mit Tempomat (Frontradar)-Update :)

    Akku-SoH: laut Eigenberechnung aus Ladedaten im April 2026 = 96,6%; laut Reichweitentest im Mai 2026 = 97,7%

  • Als alter Motorsportler kann ich nur sagen, artgerecht bewegt. Wir fahren ja nur einen Lux, aber die Lenkung ist in der Tat absolut gefühllos. Aber meine Frau liebt es, geht ja so schön leicht.....


    Sehr schöner Bericht, du weißt, von was du redest. :thumbup:

    MG Luxery, 204 PS, R 67, eigentlich Fahrzeug für meine Frau, ich fahre Chrysler 300 C , tief, breit schnell und 18 Jahre alt.

  • Schade, denn der Carscanner kann schon interessante Logs aufzeichnen ;)

    Z.B. die wichtigsten Akkudaten zu elektrischer und thermischer Last einschl. ein paar Rand-Daten:

    Screenshot_20260711_112426_Car Scanner.jpg


    Zwar werden die Daten in dieser Zusammenstellung nur ca. alle 4-5 sec aktualisiert ?( aber zur groben Einschätzung, unter welchen Bedingungen die max. Leistung reduziert wird, dürfte es trotzdem reichen.

    Geht das auch mit der kostenlosen Version? Ich hab mich bisher nicht viel mit Carscanner auseinander gesetzt. Hab nur vor Ort gemerkt, dass mein ELM327 noch im MG lag und mal schnell angesteckt.


    4-5s sollte für die Batteriethermik mehr als ausreichen, die hat ja sehr viel Masse und ist dementsprechend träge.

    Meine Flotte - Elektro: MG4 Xpower in Hunter Green (Daily driver) - Verbrenner: Einige Nissan Primera P11, Daihatsu Copen, Nissan 200SX S13


    Instagram: churchi42