Beiträge von ulf

    Wenn ich U10 bis 100% lade und ihn dran lasse, bis er kein aktives Laden mehr anzeigt, nennt man das Kalibrierungsladung?

    Und Ausgleichsladung nennt man, wenn er nach 100% noch weiter vor sich hin wurstelt bis er die Zelldifferenzen ausgeglichen hat?

    Prinzipiell korrekt - für den Standard. Wobei IMO zu einer ordentlichen Kalibrierungsladung auch die anschließende Ausgleichsladung gehört, damit das BMS wieder up to date ist.

    Die MG4 mit den NMC-Akkus machen auch bei niedrigeren eingestellten Ladelimits eine Ausgleichsladung, wenn man ihnen nach dem Erreichen des Limits Zeit bis zum finalen Abschalten läßt.

    Inzwischen habe ich gesehen, daß die Kühlmittelpumpe je nach Zelltemperaturen mit unterschiedlicher Leistung läuft. Daher wird eine Berechnung der Lade-Energie nur anhand der von der WB gelieferten Daten weitgehend zur Lotterie mit kleinen oder größeren Fehlern.


    Trotzdem sehe ich eine Möglichkeit, den SoH per Ladedaten einigermaßen genau zu bestimmen: nämlich über die Ladezeit bis zum Beginn des Ausgleichs bei 100% SoC in Verbindung mit der Ladeleistung, die in den Akku geht. Für die AC-Maximalstufe "11kW" beim 64kWh-Akku habe ich die Ladeleistung inzwischen während 3 Kalibrierungsladungen per Diagnosetablet beobachtet, und die Schwankungen um den Mittelwert von 9,4 kW sind so gering, daß die SoH-Berechnung nicht merklich verfälscht wird. Daraus resultiert ein zeit-linearer Anstieg der in den Akku geladenen Energie (die unterste "Kurve" in der Grafik)…


    KaliLadungen_kW_kWh_SoC%.jpg


    … der es ermöglicht, die Lade-Energie via simpler Multiplikation von Ladeleistung und –Zeit bis zum Beginn der Ausgleichsladung(!) zu berechnen.

    Während der Ausgleichsladung können noch weitere kWh in den Akku gehen, die aber keinen weiteren Anstieg der Akkuspannung und damit auch keine zusätzliche Energiespeicherung bewirken. Dementsprechend bleibt die SoC-Anzeige bei 100% stehen (siehe rechte obere Ecke der Grafik), obwohl die kumulierte Energie im blauen Kreis weiter ansteigen kann und dieser Anteil quasi im Akku verheizt wird.

    Wer den Akku-SoH über die Lade-Energie "berechnen" will, kann also bei konstant(!) maximaler AC-Ladeleistung die Ladedauer bis zum Erreichen der 100% SoC mit 9,4 kW multiplizieren und bekommt so die Energiemenge, die der Akku aufgenommen hat.

    Zur Berechnung der Ladekapazität von 0 bis 100% SoC muß dieser Wert durch den Ladehub geteilt werden (Beispiel: Eine Ladung von 7 bis 100% bedeutet einen Ladehub von 0,93).


    Die Ermittlung der Ladedauer bis 100% SoC ist dank der vorberechneten Zeit im Lademenü nicht allzu schwierig:

    1. Die Uhrzeit des Ladebeginns notieren

    2. Ca. 10 Minuten vor der berechneten Lade-Ende-Uhrzeit den aktuellen SoC und die restliche Ladezeit checken (bei verschlossenem MG4 durch Drücken der Fernbedienungs-Kofferraumtaste und Blick aufs Fahrerdisplay)

    3. Kurz vor Ablauf der restlichen Ladezeit wieder aufs Fahrerdisplay schauen und die Uhrzeit notieren, wenn der SoC auf 100% springt bzw. die Anzeige zu "... wird ausgeglichen" wechselt

    4. Aus den notierten Uhrzeiten von 1 und 3. die Ladedauer in Minuten berechnen.


    Die Ladekapazität in kWh berechnet sich dann aus 9,4 kW x Ladedauer / (Ladehub x 60).

    Allerdings hat auch der Akku beim Laden und Entladen gewisse Verluste, die mit dem Lade-/ Entlade-Wirkungsgrad beschrieben werden. Für Li-Ion-Akkus mit BMS fand ich im Internet Werte um ca. 0,96.

    Mit dieser Annahme berechnet sich die Entladekapazität zu 0,96 x 9,4 kW x Ladedauer (Minuten) / (Ladehub x 60).


    Zum Ergebnis addiert man noch den "Notfallpuffer", den Nyland mit 3kWh ermittelt hat (siehe Startpost) und teilt die Summe durch die Nettokapazität des Akkus (61,7 kWh). Das Ergebnis ist der DIY-berechnete SoH.


    Diese SoH-Berechnung ist umso genauer, je größer der Ladehub bzw. je niedriger der Start-SoC ist.


    Leider gibt es wohl eine kleine Fallgrube bei hoher Zellspannungsdrift zum Ladebeginn RE: 195 mV Zelldifferenz: XP-Akku auf dem Weg zum Garantiefall? :

    Unterm Strich scheint die Lade-Energie bei Zelldriften oberhalb ca. 30mV bzw. Akkuspannungen unterhalb ca. 360V quasi verloren zu gehen. Wer die berechnete Lade-Energie entsprechend korrigieren will, braucht ein Diagnosetool bzw. Carscanner: Damit beobachtet man die Zelldrift bzw. Akkuspannung ab dem Ladebeginn so lange, bis Werte unter 30mV bzw. über 360V erreicht werden und notiert die entsprechende Uhrzeit als Ladebeginn (siehe oben Nr.1).


    Für AC-Ladeleistungen unter 9,4kW habe ich keine verläßlichen Daten, weil die z.B. von den Einstellmöglichkeiten der Wallbox abhängen.

    Die kW-Anzeige im MG4-Display zeigt durch ihre groben Wertestufen, daß die abgelesenen Werte Toleranzen im Bereich von +/- 5% oder mehr haben und daher bei Berechnung des SoH mit entsprechender Vorsicht zu genießen sind.

    Mit einem Diagnosetool bzw. Carscanner läßt sich die Ladeleistung wesentlich genauer ermitteln: Einfach den Ladestrom und die Akkuspannung multiplizieren und durch 1000 teilen. Das Ganze 3 mal oder öfter bis maximal 98% SoC machen, und dann kann man anstelle der o.g. 9,4 kW den Mittelwert der Berechnungen für die SoH-Berechnung nehmen.


    Trotz des Aufwandes hat dieses SoH-Berechnungsverfahren Schwachstellen, die die Genauigkeit des Ergebnisses einschränken, so z.B. der angenommene Lade-/ Entlade-Wirkungsgrad von 0,96 bzw 96%. Sollte der unbekannte(!) echte Wirkungsgrad des MG4-Akkus nur um 1% von der 96%-Annahme abweichen, dann entsteht schon daraus ein Ergebnisfehler von 1% SoH.

    Auch die Größe des 3kWh-Notfallpuffers kann im Einzelfall abweichen und das Ergebnis der SoH-Berechnung entsprechend verfälschen.

    Diese Fehler wären allerdings fest, weil sie bei allen Berechnungen immer gleich groß sind. Der relative Vorteil dabei: Wird der SoH eines MG4 im Abstand von 1 Jahr mehrmals berechnet, dann haben alle Ergebnisse die gleiche Abweichung gegenüber dem tatsächlichen Wert, so daß sich die Entwicklung des SoH über die Zeit bzw. die Laufleistung "korrekt" beobachten läßt.

    Die Ausgleichsladung hat danach 4h 17Min gedauert...

    Diese gezielte Kalibrierungsladung war die erste...

    Ich lade zu 95% AC an der eigenen Wallbox mit Solaranlage. Ausgleichsladung mache ich beim AC-Laden immer. Als normale Ladegrenze ist im Auto 80% eingestellt.

    OK... wenn ich versuche, einen Zusammenhang herzustellen, dann geht die Vermutung in die Richtung

    "Je länger keine Kalibrierungsladung gemacht wird, umso länger dauert dann der Ausgleich nach einer u10 bis 100% Ladung. Regelmäßige Ladungen im mittleren SoC-Bereich incl. Ausgleich können keine Kalibrierungsladungen ersetzen."

    Andere Deutungen Deiner Erfahrung können gerne diskutiert werden ;)

    Ausgleichsladung hat 4,5 Stunden gedauert.

    Ich schätze, das könnte der aktuelle Forumsrekord sein?

    Bei welchem SoC hast Du denn die Kalibrierungsladung gestartet? Und wann war die letzte Kalibrierungsladung davor?


    Anbei das Foto mit den Werten, gerne zur Ergänzung der Tabelle...

    Auf dem Foto ist die Laufleistung nicht zu sehen...?

    Seit dem letzten Post habe ich mir nochmal die PDFs von der 1. Kalibrierungsladung im Mai 2024 angesehen (damals hatte ich den XP seit ca. 1/2 Jahr). Und ich habe auch die Daten der beiden Ladungen vom September und Oktober 205 nochmal neu ausgewertet, um die in den Akku geladene Energiemenge möglichst genau zu bestimmen.

    Hier nochmal die Doppelgrafik mit den neuen kWh-Daten in grün, plus die 1. Kalibrierungsladung vom Mai 2024 ganz oben:


    Zelldrift_nach_KaliLadung5.jpg


    Man sieht, daß auch im Mai 2024 bei 2% SoC die Start-Zelldrift mit 50mV deutlich über den sonst üblichen ca. 10 – 20 mV lag.

    Ein grafischer Direktvergleich der 3 Ladevorgänge mit Ladeleistung, Display-SoC-Verlauf und der kumulierten Lade-Energie über die Ladedauer zeigt folgendes (die 2-tägige Unterbrechung der 3.Ladung ist aus den Daten entfernt):


    KaliLadungen_kW_kWh_SoC%.jpg


    Die SoC-Kurven verlaufen über die gesamte Ladededauer in deutlichem Abstand zueinander: das zeigt IMO die unterschiedlichen Kalibrierungen des BMS im Laufe der Zeit. Daraus läßt sich erahnen, daß eine Hochrechnung der Ladekapazität aus den Energiemengen von Teil-Ladungen im mittleren Bereich (z.B. 30 – 80% SoC) erhebliche Unsicherheiten mitbringen würde.

    Die fast völlig deckungsgleichen kWh-Rampen sind die Folge der weitgehend konstanten Ladeleistung von ca. 9,4kW. In der Kreismarkierung zeigen die flacheren Teile zum Ende der Ladungen die Ladeleistung während der Ausgleichsladungen (ab dem Erreichen von 100% SoC). Allerdings erscheint es mir seltsam, daß der Akku im Oktober 2025 insgesamt ca. 2kWh mehr speichern soll als rund anderthalb Jahre davor – jeweils bei einer 2-100% Ladung.

    Läßt man die Energieaufnahme während der Ausgleichsladungen weg, dann sieht die Grafik so aus…


    KaliLadungen_kW_kWh_SoC%_2.jpg


    … und es bleibt annähernd das gleiche Rätsel, diesmal von ca. 1,5kWh mehr gespeicherter Energie als vor rund anderthalb Jahren.

    Läßt man auch die Energieaufnahme während der hohen Zelldriften direkt nach dem Ladestart weg (bis ca. die gleiche Akkuspannung erreicht wird wie beim Start der letzten Ladung), dann erscheinen die Relationen deutlich plausibler:


    KaliLadungen_kW_kWh_SoC%_3.jpg


    Ca. 0,5 kWh Ladekapazitätsverlust bzw. 1% auf 98% SoC-Ladehub während rund anderthalb Jahren (blaue und graue Kurven) erscheinen mir im normalen Bereich.

    Der minimale Kapazitätsgewinn zwischen vorletzter und letzter Ladung ließe sich mit Meßtoleranzen, Berechnungsfehlern in der zweigeteilten 3. Kalibrierungsladung und / oder einem leichten Kapazitätsgewinn durch die 2. Kalibrierungsladung erklären.


    Am Ende wollte ich natürlich wissen, was das Ganze hinsichtlich des SoH meines Akkus bedeutet. Um die nutzbare Energie zu berechnen, habe ich wieder die geladene Energie jeweils auf 0-100% Ladehub hochgerechnet und dann mit dem mit dem angenommenen Lade-Entladewirkungsrad 0,96 multipliziert.

    Inclusive der berechneten 3kWh-Notfallreserve aus dem Nyland-Video...


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    Leerfahren_64kWh_Nyland.jpg


    ... ergeben sich folgende SoH-Daten:


    KaliLadungen_SoH_Berechnung.JPG


    Rund 2% SoH-Verlust innerhalb von 10 Monaten seit Bau meines XP wären zwar nicht erfreulich.

    Aber "nur" rund 1% weiterer Verlust in 17 Monaten liegen IMO im üblichen Bereich. Damit sehe ich meinen Akku aktuell nicht mehr auf dem Weg zum Garantiefall.