Alles anzeigenMG4 Urban in ersten Urlaubstests:
Ich fahre den Urban Comfort mit 43 kWh nun seit dem 31. Juli und bin direkt nach Abholung von Rheine-Mesum an die Ostsee, dann nach Dortmund, nach Hessen auf den Vogelsberg, ins Sauerland auf den Kahlen Asten und wieder nach Dortmund gefahren. Aktuell sind das „Urlaubsfahrten“. Dabei liegt der Verbrauch in meiner energiesparenden Fahrweise (StVO-konform auf der Autobahn auf dem rechten Fahrstreifen mit gelegentlichem Überholen) bei derzeit 10,5 kWh auf 100km.
Ich habe den Tarif L bei EnBW sowie EnBW-Collect und lade noch bis Ende September für Summa Summarum 33 Cent/kWh. Der Verbrauch auf Landstraßen ist höher als auf der Autobahn, da auf Landstraßen zuviel Geschwindigkeitsänderungen nötig sind. Auch ist der Stadtverbrauch etwas höher als 11 kWh. Alles zusammen sind aber mit meinem Fahrprofil 10,5 kWh auf 100km realistisch, wenn die Temperaturen, wie seit dem Kauf, bei 22-32°C liegen.
Das Planen der Routen mit reiner EnBW Ladeinfrastruktur funktioniert für mich perfekt, ich fahre auf 20% Akku herunter (das System des Urban meldet dann ein „Bitte laden“) und suche mir dann eine Ladestation oder plane die Route vorher mittels Charging Time Gold und der Mobility+ App, letztere nur, falls nötig.
Das Fahren mit Navigation stützt sich auf Android Auto, wo Google Maps läuft, die Route, die von Charging Time mit den eingeplanten Ladestopps an Google Maps übergeben wurde. Kürzlich entschied ich mich spontan, einen kleinen Abstecher zu machen. Dies sprach ich über „Hey Google“ ein und das System berechnete mir die Strecke und addierte diesen Zwischenstopp zur Hauptroute hinzu. Danach konnte ich das Zwischenziel löschen und die ursprüngliche Route weiterfahren.
Als Assistenzsystem auf der Autobahn nutze ich den Tempomaten mit maximalem Sicherheitsabstand (man kann den Abstand in drei Stufen (Strichen) einstellen, drei Striche liegen etwas über dem von der StVO geforderten Mindestabstand). Der Urban fährt auf der Autobahn perfekt in der Spur, korrigiert sachte, wenn man die Seiten berührt und bremst und beschleunigt selbsttätig, sogar im Stau, wo er Haltezeiten von bis zu 5 Sekunden verkraftet und dann selbsttätig wieder losfährt.
Nicht empfehlen kann die den Begrenzer im Automatikmodus mit selbsttätigem Bremsen, mein Fahrzeug liest zu häufig falsche Tempoangaben und bremst dann abrupt ab, was man zwar durch zweimaligen Treten des Gaspedals überstimmen kann, aber recht ruckelig vor sich geht. Die hinter mir fahrenden haben anschließend ihren Sicherheitsabstand stark erhöht.
Der Scheibenwischer hat Intervallschaltung, die man selbst einstellen kann, dann eine Lo Schaltung und eine High Schaltung. Ich bin viel zufriedener, ohne automatischen Sensor zu fahren, mein Vorgänger-Auto hatte einen Sensor und ließ viel zu viel Sprühregen zu, bevor er reagierte. Der Urban lässt sich wunderbar regeln.
Der Blinker funktioniert auf Antippen und Zurückschnellen des Hebels, aber diese Technik funktioniert für mich ohne Probleme, ich komme fast nie beim manuellen Ausschalten (falls das automatische Ausschalten nach einem Abbiegen nicht arbeitet) auf die Gegenblinkrichtung, auch hier hatte ich schon ganz andere Fahrzeuge, bei denen man hypervorsichtig sein musste, das ist hier nicht der Fall, der Blinker lässt sich sehr gut bedienen.
Die Bremsen greifen sehr gut, ich nutze sie kaum, da ich mit One-Pedal fahre und den ECO-Modus benutze, dort scheint mir das One-Pedal Bremsen am Angenehmsten. Ich fahre ohnehin nur im ECO-Modus, die Beschleunigung ist gut genug für jede Lebenslage und der Verbrauch ist gering.
Die Außenspiegel erfassen ein weites Feld, der Schulterblick nach links ist etwas sichtbeeinträchtigt durch die B-Säule, doch die Außenspiegel decken diese Beeinträchtigung gut ab.
Das Laden an DC-Ladesäulen hat bislang perfekt geklappt. Ich war neben den üblichen EnBW-Ladsäulen auch einmal an einer AdHoc Säule mit EC- und Kreditkartenbezahlung (Grünstrom-Ladepark Marsberg an der A44, Ausfahrt 62 Lichtenau) und das Aufladen von 20% auf 80% ist in 25 Minuten absolviert. Wer in der Zeit versucht, etwas einzukaufen, muss sich sputen, aber auch im Auto sitzen zu bleiben und ein wenig Social Media zu machen, überbrückt diese Zeit sehr gut.
Fernab vom Auto hält einen die MG App oder die Betreiber App (bei mir Mobility+) über den Ladeablauf auf dem Laufenden, es gibt leichte Live-Unterschiede zwischen App und Ladesäule von bis zu zwei kWh, am Ende sind aber beide Werte identisch.
Die MG iSmart App funktioniert nur mit Mobilfunkanbindung, auch zuhause sitzend muss ich mein Wlan auf dem Smartphone deaktivieren, um das Mobilfunknetz zu nutzen und Verbindung zum Auto aufzunehmen. Die relativ wenigen Funktionen der App arbeiten einwandfrei.
Der Wagen fährt wie auf Schienen, ich fühle mich sehr sicher darin, die Lenkung ist sportlich straff, ich habe alle Assistenzsysteme eingeschaltet und die Lautstärke der Warnungen auf ein Minimum reduziert, was beim Fahren zwar hörbar, aber für meine Begriffe nicht störend ist. Ausgeschaltet habe ich nur den Müdigkeitswarner, denn aktiviert lässt er sich bei Müdigkeitserkennung nur umständlich über das Menü am großen Bildschirm wieder abschalten, ansonsten warnt er unaufhörlich mit einer symbolisierten Tasse Kaffee und Warntönen, wenn man etwas zu oft gegähnt hat.
Die Helligkeit des Fahrerdisplays ist in jeder Sonneneinstrahlung gut lesbar, wenn man es im Menü auf Maximum gestellt hat. Es dunkelt auch selbsttätig in Tunneln oder unter Brücken kurz ab. Das große Display kann man zwischen hell (weiß) und dunkel (schwarz) umschalten, dies geschieht in einem Menü.
Der MG-Pilot speichert die meisten Einstellungen ab, nicht jedoch den Fahrmodus, der ist beim Starten des Motors immer auf Normal und muss manuell auf Eco oder andere Modi umgeschaltet werden.
Das Menü: Hier muss man lernen, wo welche Einstellungen zu finden sind, es gibt mehrere Menüpunkte, in denen man manchmal auch von rechts nach links wischen kann oder von oben nach unten. Ich habe das Menü noch nicht verinnerlicht und suche manchmal noch, aber nach mehreren Wochen regelmäßigen Fahrens sollte das in Fleisch und Blut übergehen. Gelegenheitsfahrer werden es schwer haben, die Menüstruktur zu beherrschen, wo z.B. wechselt man zwischen Tageskilometerzähler und Gesamtzähler? Wieso sind manche Bezeichnungen sinnfremd? Übersetzungsfehler? Wo kann man man den Reifendruck nachschauen? Man wird es finden, ich habe jedoch die Bezeichnung des Menüpunkts schon wieder vergessen.
Klimaanlage: Sie sorgt für eine schnelle Kühlung und lässt sich gut einstellen. Gerade in den letzten zwei Wochen des Jahrhundertsommers mit ständigen Temperaturen über 30 Grad habe ich im Auto davon nichts mitbekommen. Die Heizung habe ich noch nicht ausprobiert. Auch bei eingestellten 25 Grad kommt angenehm kühle Luft aus den Düsen, das Auto will damit den gesamten Innenraum herunterkühlen, was für den Fahrer manchmal etwas kühl wirken kann, weshalb viele Tester bemängeln, die angegebene Temperatur würde nicht dem Luftsstrom entsprechen. Aber soll der Luftstrom die angezeigte Temperatur haben oder soll die angezeigte Temperatur der im gesamten Innenraum zu messenden Temperatur entsprechen? Ich habe die Klimaanlage auf jedenfall genossen.
20% - 80%: Ich lade einmal im Monat auf 100% und fahre ansonsten nur zwischen 20 und 80 Prozent. Bei 80 Prozent hat mein Urban eine Reichweite von 258 km, bevor die Warnung kommt, man solle sich eine Ladesäule suchen (erscheint bei Erreichen von 20% Restakku). Ein Aufladen auf 100% lässt mich 350km weit kommen, bevor ich eine Ladesäule brauche, für deren Auffinden ich dann nochmal ca. 60km Reserve habe, was eine Gesamtreichweite bei meinem Fahrstil von 410km bedeutet.
Nachtfahrt: Die Ausleuchtung der Straße ist dank der LEDs sehr gut, zudem kann man die Reichweite des Lichtes manuell mit dem Rädchen links in Kniehöhe verstellen, was man je nach Beladung auch tun sollte. Den Fernlichtassistenen nutze ich jedoch nicht, ich reagiere lieber manuell auf entgegenkommende Fahrzeuge. Es wird viel zu viel Fernlicht auf den Straßen eingesetzt, auch der Fernlichtassistent beim Urban ist etwas träge, je nach Beschaffenheit der Sichtbedingungen.
Mein Fazit nach nun 1600 km binnen zwei Wochen: Das beste Auto, das ich jemals gefahren habe, alle nötigen und nützlichen Assistenzsysteme sind an Bord, mein Comfort hat keine 360° Kamera und keine getönten Heckscheiben, etwas, worauf ich bewusst verzichtet habe. Die Stoffsitze sind ergonomisch auch an meinen etwas untersetzten Körper angepasst. Ich vermisse nichts.
Checkliste vor dem Losfahren: MG Pilot aktivieren, ECO-Modus aktivieren.
Habt ihr noch weitere Fragen?
Perfekter Fahr- und Nutzungsbericht!
Vielen Dank dafür. Das hilft mir, weiteren Interessenten für das Fahrzeug und all den Wartenden, die, wie ich das Fahrzeug bestellt haben und voller Ungeduld darauf warten.
Auch ich werde vorwiegend den Eco-Modus nutzen und in den meisten Fällen ein ähnlich 'rentnerliches Tempo' einschlagen.
Eine Frage hat sich noch ergeben:
Du schreibst du nutzt nicht die Fernlichtautomatik. Ich dachte im Urban gibt es gar keinen haptischen Schalter mehr für diese Lichtfunktion. Liege ich da falsch?
Ansonsten nochmals: Wirklich topp dein Bericht!